Lothar Späth zum Gedenken

Am 18 März 2016 verstarb nach langer schwerer Krankheit Altministerpräsident Lothar Späth  im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Stuttgart. Bis zuletzt war Späth Mitglied des Studienzentrums Weikersheim. Das Studienzentrum Weikersheim trauert in Dankbarkeit um diese herausragende Persönlichkeit, die immer an unserer Seite blieb.

Lothar Späth war ein Selfmademann von der hohen und raschen Intelligenz, wie sie in Baden- Württemberg immer wieder anzutreffen ist. Die Schule verließ der 1937 als Sohn des Teilhabers einer Samenhandlung Geborene bereits nach der Mittleren Reife. Er absolvierte 1958/59 die Staatliche Verwaltungsschule in Stuttgart und begann seine berufliche Laufbahn in der Finanzverwaltung von Bietigheim, später wurde er Beigeordneter und Finanzreferent dieser Stadt. Ein rapider politischer Aufstieg nahm damit seinen Anfang: 1967 Bürgermeister, 1968 Landtagsabgeordneter, seit 1972 Vorsitzender der CDU-Fraktion. Mehrfach schlug er Kabinettsposten aus. Kurzzeitig amtierte er 1978 als Innenminister Nach dem Rücktritt von Hans Filbinger im Sommer 1978 wurde Späth mit großer Mehrheit zum Ministerpräsidenten des Landes Baden- Württemberg gewählt. Wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, die Effizienz und vielfache Neugründungsinitiativen kennzeichneten Späths sehr erfolgreiche Amtszeit. Bei ihm stand dies in keinerlei Widerspruch zu einem weltoffenen, intelligenten Konservatismus, der zugleich im besten Sinn bodenständig und geerdet war.

Abgehobenheit und Politphrasen waren Späths Sache nicht. Die Erfolge sind legendär: Ulm wurde unter seiner Ägide zur Wissenschaftsstadt, neue Medientechnologien erkannte er rasch in ihrer Bedeutung und ermöglichte in Karlsruhe mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie weitere Innovationen. Auch in der weitsichtigen Förderung von Kunst und Kultur war Späth würdiger Nachfolger von Kurt Georg Kiesinger und Hans Filbinger.

Späths „Cleverness“ war sprichwörtlich. Die Virtuosität, mit der er im politischen Geschehen agierte, veranlasste seinen Regierungssprecher Manfred Zach zu dem in Nachrufen wiederholt zitierten Bonmot, Späth habe Berechenbarkeit als Schwäche betrachtet. Indes: Der Kompass in politischen und moralischen Grundfragen war eindeutig und klar genordet. Wenn die bislang umfassendste Biographie von Marlis Prinzing (Zürich 2006) überschrieben ist: ‚Wandlungen eines Rastlosen‘, so ist die ungewöhnliche Agilität Späths damit treffend benannt. Die Substanz und die konstanten Elemente seiner Überzeugungen sind darüber nicht zu übersehen. Dies trug Späth grandiose Wahlerfolge ein: Bei drei aufeinanderfolgenden Landtagswahlen erreichte die CDU unter seiner Führung jeweils die absolute Mehrheit.

Späth dachte nie nur politisch oder administrativ, sondern immer auch ökonomisch. Die erfolgs- und visionsorientierte Arbeit lag ihm wohl näher. Bereits in seiner Zeit als Bürgermeister und Abgeordneter war er bereits in wichtigen Vorstandsämtern tätig.  Der Rücktritt vom 13. Januar 1991 ist heute Geschichte. Bemerkenswert – und für sein Format als Mann der Wirtschaft signifikant ist es, dass Späth wenige Wochen nach dem Rücktritt Geschäftsführer der Jenoptik GmbH in Jena (Rechtsnachfolger von Carl Zeiss) wurde und  dieses Unternehmen sogar an die Börse führte. Im wieder vereinigten Deutschland eine Erfolgsgeschichte fast ohnegleichen. Weitere maßgebliche Funktionen unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender in namhaften Unternehmen, die Späth teils bis zum 75. Lebensjahr innehatte, schlossen sich an. Es war eine hervorragende Wahl, dass Kanzlerkandidat Edmund Stoiber 2002 Späth für das Wirtschaftsministerium vorgesehen hatte. Es kam anders.

Unzählig die gemeinwohlorientierten Engagements. Lothar Späth stiftete unter anderem einen eigenen Preis, der sich um die Unterstützung von behinderten Künstlern kümmert. Unternehmerische Innovation und kulturelle und geschichtliche Tradition gingen für Lothar Späth zeitlebens eng zusammen. So war er 2008 bis 2012 Vorsitzender des Kuratoriums der Denkmalstiftung in Baden-Württemberg.  Auch als Talkmoderator machte er sich einen Namen: „Späth am Abend“.

Als er aus dem Amt des Ministerpräsidenten ausschieb, sagte er, unfeierlich und bestimmt, man solle ihm nicht nachweinen. Beim großen Abschied ist es anders. Doch es bleibt vor allem die Dankbarkeit, auch seitens unseres Studienzentrums, dass ein Mann mit dieser Autorität und diesem Format in seinen Reihen war.

Wir werden Ministpräsident a.D. Lothar Späth stets ein ehrendes Andenken erweisen.  

Prof. Dr. Harald Seubert, Präsident des SZW

Das STUDIENZENTRUM WEIKERSHEIM trauert um sein langjähriges Mitglied im Präsidium

 

Professor Dr.hc. Manfred Rommel

 


Mit ihm verlieren wir einen hochgeschätzten Ratgeber, der uns bis zu seinem Tode verbunden war. Seine im alteuropäischen Ethos verwurzelnde liberale und weitherzig-gelassene Haltung wird uns immer ein Vorbild bleiben. Wir werden seine Stimme vermissen.

 

November 2013