SZW trauert um Präsident Prof. Dr. Jost Bauch

Das Studienzentrum Weikersheim trauert um seinen unerwartet verstorbenen Präsidenten Prof. Dr. Jost Bauch.

Ruhe in Frieden!

Berlin, 2. Dezember 2018

 

Professor Dr. Soz. Wiss. Jost Bauch wurde am 1. Mai 1949 als Sohn des Diplomingenieurs Friedrich Kurt Bauch und dessen Ehefrau Katharina Bauch, geb.Vehring, in Osnabrück geboren. Er ist in Münster aufgewachsen und hat dort nach der Martin-Luther-Schule ab 1960 das Johann Conrad Schlaun Gymnasium besucht. Nach dem Abitur 1971 hat er in Bielefeld Soziologie studiert,  das Studium als Diplom-Soziologe 1976 abgeschlossen und mit der Promotion begonnen. Seine prägenden Professoren waren die Soziologen Helmut Schelsky und Niklas Luhmann. Schelsky war ihm als unbestechlicher Akademiker, Luhmann, von Haus aus Jurist, als Schule bildender Theoretiker Vorbild. 1980 hat die Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld Jost Bauch den akademischen Grad des Doktors der Sozialwissenschaften verliehen. Die Dissertation: Motiv und Zweck. Studien zum Verhältnis von Individuum und bürgerlicher Gesellschaft, hat Niklas Luhmann betreut und begutachtet. Sie wurde 1981 im Verlag  Böhlau publiziert. 1994 hat die Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Konstanz Dr. Soz. Wiss. Bauch habilitiert. Damit war das Recht zur Führung der Bezeichnung Privatdozent und dem Doktorgrad die Abkürzung „habil.“ hinzuzufügen verbunden. Professor Horst Baier hatte Jost Bauch 1991 wegen seiner medizinsoziologischen Veröffentlichungen und seiner Tätigkeiten im Gesundheitswesen geraten, in diesem Forschungsbereich zu habilitieren und die Betreuung und Begutachtung  derHabilitationsschrift übernommen. Die venia legendi war die Soziologie der Medizin und des Gesundheitswesens. Die Habilitationsschrift: Gesundheit als sozialer Code: von der Geschichte zum System der Medizin. Von der Vergesellschaftung des Gesundheitswesens zur Medikalisierung der Gesellschaft, wurde 1996 unter dem Titel: Gesundheit als sozialer Code: von der Vergesellschaftung des Gesundheitswesens zur Medikalisierung der Gesellschaft, vom Juventa Verlag veröffentlicht. Jost Bauch wurde 2001 zum außerplanmäßiger Professor in der Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Konstanz ernannt und hat dort, aber auch an anderen Hochschulen Soziologie, vor allem Gesundheitssoziologie, gelehrt. Jost Bauch blieb ausweislich seiner stetigen Publikationen sein Leben lang der soziologischen Forschung und Lehre verpflichtet. Er hat zwölf Bücher und mehr als hundert Aufsätze in renommierten Zeitschriften veröffentlicht, gut fünfzig Forumsbeiträge in der Jungen Freiheit geschrieben und viele Vorträge gehalten, immer zur soziologischen Analyse aktueller Ereignisse in Gesellschaft und Politik.

Die  medizinsoziologische Monographien, die Jost Bauch zum Teil mit Koautoren veröffentlicht hat, sind:

J. Bauch, Zahngesundheitserziehung für Kleinkinder. Eine epidemiologische und soziologische Studie zum Zahngesundheitsverhalten von Kleinkindern, DÄV, Köln 1987.

W. Micheelis, J. Bauch, Mundgesundheitszustand und -verhalten in der Bundesrepublik Deutschland, Ergebnisse des nationalen IDZ-Survey 1989, DÄV, Köln 1991.

W. Micheelis, J. Bauch, Mundgesundheitszustand und -verhalten in Ostdeutschland, Ergebnisse des IDZ-Ergänzungssurvey 1992, DÄV, Köln 1993.

G. Ahrens, J. Bauch, K. Bublitz, I. Neuhaus, Parodontalgesundheit der Hamburger Bevölkerung. Epidemiologische Ergebnisse einer CPITN-Untersuchung, DÄV, Köln 1988.

N. Bartsch, J. Bauch,  Gruppen- und Individualprophylaxe in der Zahnmedizin. Ein Handbuch für die prophylaktische Arbeit in Kindergarten, Schule und Zahnarztpraxis, DÄV, Köln 1992.

„Prophylaxe ein Leben lang. Ein lebensbegleitendes oralprophylaktisches Betreuungskonzept“, DÄV, Köln 1995.

J. Bauch, Gesundheit als sozialer Code. Von der Vergesellschaftung des Gesundheitswesens zur Medikalisierung der Gesellschaft, 1996, Juventa-Gesundheitsforschung Weinheim und München 1966.

J. Bauch, G. Hörnemann (Hg.), Gesundheit im Sozialstaat, Beiträge zum Verhältnis von Gesundheit und Politik, Konstanzer Schriften zur Sozialwissenschaft 40, 1996, Hartung u. Gorre, Konstanz 1996.

H. D. Seibel, H. Lühring, J. Bauch, J. Pack, Arbeit und psychische Gesundheit, 1984, Hogrefe, Göttingen/ Toronto/ Zürich 1984

J. Bauch, Medizinsoziologie, Lehr- und Handbücher der Soziologie, Oldenbourg, München/Wien 2000.

J. Bauch, Gesundheit und Krankheit als gesellschaftliche Konstruktion. Medizin- und gesundheitssoziologische Schriften 1979 – 2003, Hartung und Gorre, Konstanz 2004.

J. Bauch (Hrsg.), Gesundheit als System. Systemtheoretische Beobachtungen des Gesundheitswesens, 2. Aufl., Hartung und Gorre, Konstanz 2013.

 

Jost Bauch hat mit G. Hörnemann die Festschrift für Horst Baier besorgt:

J. Bauch, G. Hörnemann, Freiheit und Solidarität im Sozialstaat, Festschrift anläßlich der Emeritierung von Horst Baier, 1.Aufl. 1998, Hartung und Gorre, Konstanz 1998.

 

Mit der Politik hat er sich in den folgenden acht Büchern als Herausgeber und soziologisch als Autor auseinandergesetzt:

J. Bauch, Der Niedergang. Deutschland in der globalisierten Welt. Schriften wider den Zeitgeist, Graz 2010.

H. Seubert, J. Bauch (Hg.), Deutschland und Europa in einer veränderten Welt, Weikersheimer Dokumentation, 35. Jahrestagung  2013, Neue Folge Bd.1, Nürnberg 2013.

Jost Bauch, Mythos und Entzauberung. Politische Mythen der Moderne, 1. Aufl., Hess-Verlag, Bad Schussenried 2014.

J. Bauch, K. A. Schachtschneider, Einwanderung oder Souveränität. Deutschland am Scheideweg. Nachwort von Harald Seubert, Hess-Verlag, Bad Schussenried 2015.

J. Bauch, H.  Seubert  (Hg.), Wirtschaftsstandort Deutschland. Philosophische, rechtliche, ökonomische und politische Perspektiven, Weikersheimer Dokumentation, 36. Jahrestagung  2015, Neue Folge Bd.3, Nürnberg 2015.

H. Seubert, J. Bauch (Hg.), In welcher Gesellschaft leben wir, Weikersheimer Dokumentation, Jahrestagung  2016, Neue Folge Bd.4, Nürnberg 2016.

J. Bauch, K. A. Schachtschneider, 39. Jahrestagung 2016, Wanderungsbewegung nach Europa - Zwischen Seßhaftigkeit und Migration,  Frühjahrstagung März 2017, Demo-graphie und Einwanderung. Wie die Politik versagt; 40. Jahrestagung 2017, 500 Jahre Reformation, Weikersheimer Dokumentation, Neue Folge Bd.5/6, Bad Schussenried, 2018

J. Bauch, Abschied von Deutschland: Eine politische Grabschrift. Nachwort K. A. Schachtschneider, Kopp Verlag, 2018.

 

In  mehr als hundert meist grundlegenden Aufsätzen hat sich Jost Bauch mit medizinsoziologischen, gesundheitswissenschaftlichen und sozialpolitischen Fragen der allgemeinen Soziologie, mit oralepidemiologischen Fragen, mit Fragen der oralen Prävention und der Zahnmedizinischen Versorgung auseinandergesetzt. Er hat mehr als zwanzig Buchbesprechungen geschrieben. Jost Bauch hat mehrere Jahre lang die Zeitschrift Prävention herausgegeben.

 

Von 1978 bis 1979 war Jost Bauch als Wissenschaftlicher Angestellter der Pädagogischen Hochschule, Dortmund, von 1979 bis 1997 als Wissenschaftlicher Referatsleiter des Referates: Gesundheits- und Gesellschaftspolitik  bei der Bundeszahnärztekammer in Köln tätig. Von 1981 bis 1989 hatte er einen Lehrauftrag im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Köln für Medizinsoziologie und Gesundheitserziehung. Neben der Tätigkeit bei der Bundeszahnärztekammer hat Jost Bauch seine Habilitationsschrift verfaßt. Von 1997 bis 1999 war er freiberuflicher Dozent, u.a. für das mibeg - Institut Medizin in  Köln, die  Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege in Bonn, das DAJ, und für die Sozial- und Arbeits-  medizinische Akademie Baden - Württemberg. Ab 2000  war er Geschäftsführer der „Hessischen Arbeitsgemeinschaft für  Gesundheitserziehung“ in Marburg. 2002 hat er als freiberuflicher Dozent für Gesundheitsmanagement an der Kolping - Akademie gelehrt. 2004 war Jost Bauch Laienrichter und Schöffe am Landgericht Bonn. 2000 hat er die Vertretung der Professur für Soziologie an der Hochschule Neubrandenburg übernommen. 2007  hatte er in Luzern einen Lehrauftrag an der Hochschule für Soziale Arbeit. 2008 war er Wissenschaftlicher Angestellter bei der Gerl GmbH in Köln.

 

Wissenschaft prägt die Persönlichkeit. Wenn sie den Gesetzen der Wissenschaft gemäß betrieben wird, der Wahrheit und Richtigkeit verpflichtet, lehrt das die Sachlichkeit in allen Dingen des Lebens. Sie erfordert Unabhängigkeit, schult diese aber auch. Jost Bauch hat das unter Beweis gestellt. Er hat sich trotz scharfer Angriffe irregeleiteter Studenten in Konstanz nicht von seinen Erkenntnissen vor allen in der Demographie abbringen lassen und das trotz existentieller Nachteile für seine universitäre Karriere. Die Kollegenschaft hat ihn nicht geschützt. Aber Jost Bauch hat sich als Wissenschaftler und Charakter bewährt. Er hat sich auch durch die politisch korrekten‘ Schmähungen, die ihm die Vorlesungen in seiner Konstanzer Fakultät fast unmöglich gemacht haben, nicht nötigen lassen, Beiträge in der Jungen Freiheit zu unterlassen. Diese Standhaftigkeit hat dem durch seine Lehrer Helmut Schelsky und Niklas Luhmann  geprägten aufrechten Westfalen bleibendes Ansehen verschafft. Die Opportunisten verschwinden ohne Ansehen, die wirklichen Professoren bleiben im Gedächtnis des Volkes. Max Weber und Arnold Gehlen haben ihn beeinflußt. Er kannte sein Fach umfassend. Sein unabhängiger Geist war auf Schulweisheiten oder Modelle nicht angewiesen. Seine historischen Analogien und seine Ironie haben neben den gesellschaftswissenschaftlichen Aussagen seinen Beiträgen Würze gegeben. Seine stets wohl vorbereiteten, aber frei gesprochenen Vorträge waren kleine Kunstwerke der Wissenschaft, durch seinen Humor mit großem Unterhaltungswert, den ihm seine Hörer mit großem Beifall gedankt haben.

 

Jost Bauchs Einsichten waren von seinen Erfahrungen der Praxis im Gesundheitswesen genährt. Er konnte diese vielfach neuen Lagen gerecht werdenden Theorien umsetzen. Als Akademiker war er ein einflußreicher Praktiker, homo contemplativus und homo politicus. Jost Bauch war eine sittliche Persönlichkeit im besten Sinne der Aufklärung, nicht ohne Religiosität, aber nicht sehr kirchlich, dem Ritus jedoch nicht abgeneigt, immer heiter, dem Leben zugewandt, souverän. Nach Vorträgen hat er gern bei einem guten Tropfen das Gespräch fortgesetzt und mit Frohsinn, Humor und Witzen gewürzt, niemals verletzend, immer verbindend, aber auch niemals anbiederisch oder gar opportunistisch.

Er hat nach seiner universitären Tätigkeiten noch viele Jahre mit voller Tatkraft gewirkt, als Schriftsteller, als Kolumnist, als Redner, hat angeregt und aufgeregt, kritisiert und konzipiert, bis in die letzten Tage. In den letzten sieben Jahren waren wir beide Vizepräsidenten und Präsidenten des Studienzentrums Weikersheim.  

Jost Bauch war ein Bürger, im klassischen athenischen Sinne des Politikers. Als Mann der praktischen Vernunft hat Jost Bauch sich nie seiner Pflicht als Bürger entzogen. Er wußte sich dem Gemeinwohl in Deutschland, Europa und der Welt verantwortlich. Er war überzeugt, daß dieses nur auf der Grundlage von Wahrheit und Richtigkeit, auf der Grundlage der Wissenschaft, aufklärerischer und säkularer Humanität, verwirklicht werden kann. Ideologien und visionäre Utopien lagen Jost Bauch fern. Darum hat er die Europäische Union und die Politik globaler Herrschaft abgelehnt. Von der Notwendigkeit des nationalen Prinzips für Freiheit und Recht, für Demokratie und Sozialität war er auf Grund seiner gesellschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse überzeugt. Er war der Wirklichkeit verbunden, hat diese betrachtet und zu verstehen gelehrt. Er hat viel beigetragen. Jost Buch hatte noch viele Jahre der Schaffenskraftkraft,  der geistigen und politischen Wirkung  vor sich. Es war noch Vieles und Grundlegendes von Jost Bauch zu erwarten. Deutschland hat das bitter nötig, gerade in den Gesellschaftswissenschaften.

Der unerwartete frühe Tod von Jost Bauch am 2. Dezember 2018, dem ersten Advent diesen Jahres, ist ein unermeßlicher Verlust. Er hat alle seine Freunde getroffen, tief in der Seele seine geliebte Frau Kerstin, geborene Koch, aus dem Vogtland, seine Tochter Katja und seinen Schwiegersohn Hans Opper, seine Enkelkinder Sarah und Eric, aber auch seine erste Frau Pam.

Jost Bauch war ein liebender Mensch. Vor allem galt seine Liebe seiner Familie, aber auch seinen Freunden und dem Menschen. Er hat keinen zurückgewiesen, ist auf alle zugegangen, ohne Unterwerfung, ohne Anbiederung, immer in innerer Souveränität, mit heiterer Würde. Jost Bauch war ein gebildeter Deutscher, ein guter Europäer. Bis in seine letzten Tage hat Jost Bauch der res publica gedient, gedacht, geschrieben, vorgetragen. Wir sind durch die fruchtbare wissenschaftliche Zusammenarbeit gute Freunde geworden.

Das Leben ist Sein zum Tode. Das memento mori ist in uns. Aber Jost Bauch lebt weiter, in seinen Werken, in seinen Taten, in unserer Liebe.

Berlin, den 11. Dezember 2018

Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider

Lothar Späth zum Gedenken

Am 18 März 2016 verstarb nach langer schwerer Krankheit Altministerpräsident Lothar Späth  im Alter von 78 Jahren in der Nähe von Stuttgart. Bis zuletzt war Späth Mitglied des Studienzentrums Weikersheim. Das Studienzentrum Weikersheim trauert in Dankbarkeit um diese herausragende Persönlichkeit, die immer an unserer Seite blieb.

Lothar Späth war ein Selfmademann von der hohen und raschen Intelligenz, wie sie in Baden- Württemberg immer wieder anzutreffen ist. Die Schule verließ der 1937 als Sohn des Teilhabers einer Samenhandlung Geborene bereits nach der Mittleren Reife. Er absolvierte 1958/59 die Staatliche Verwaltungsschule in Stuttgart und begann seine berufliche Laufbahn in der Finanzverwaltung von Bietigheim, später wurde er Beigeordneter und Finanzreferent dieser Stadt. Ein rapider politischer Aufstieg nahm damit seinen Anfang: 1967 Bürgermeister, 1968 Landtagsabgeordneter, seit 1972 Vorsitzender der CDU-Fraktion. Mehrfach schlug er Kabinettsposten aus. Kurzzeitig amtierte er 1978 als Innenminister Nach dem Rücktritt von Hans Filbinger im Sommer 1978 wurde Späth mit großer Mehrheit zum Ministerpräsidenten des Landes Baden- Württemberg gewählt. Wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, die Effizienz und vielfache Neugründungsinitiativen kennzeichneten Späths sehr erfolgreiche Amtszeit. Bei ihm stand dies in keinerlei Widerspruch zu einem weltoffenen, intelligenten Konservatismus, der zugleich im besten Sinn bodenständig und geerdet war.

Abgehobenheit und Politphrasen waren Späths Sache nicht. Die Erfolge sind legendär: Ulm wurde unter seiner Ägide zur Wissenschaftsstadt, neue Medientechnologien erkannte er rasch in ihrer Bedeutung und ermöglichte in Karlsruhe mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie weitere Innovationen. Auch in der weitsichtigen Förderung von Kunst und Kultur war Späth würdiger Nachfolger von Kurt Georg Kiesinger und Hans Filbinger.

Späths „Cleverness“ war sprichwörtlich. Die Virtuosität, mit der er im politischen Geschehen agierte, veranlasste seinen Regierungssprecher Manfred Zach zu dem in Nachrufen wiederholt zitierten Bonmot, Späth habe Berechenbarkeit als Schwäche betrachtet. Indes: Der Kompass in politischen und moralischen Grundfragen war eindeutig und klar genordet. Wenn die bislang umfassendste Biographie von Marlis Prinzing (Zürich 2006) überschrieben ist: ‚Wandlungen eines Rastlosen‘, so ist die ungewöhnliche Agilität Späths damit treffend benannt. Die Substanz und die konstanten Elemente seiner Überzeugungen sind darüber nicht zu übersehen. Dies trug Späth grandiose Wahlerfolge ein: Bei drei aufeinanderfolgenden Landtagswahlen erreichte die CDU unter seiner Führung jeweils die absolute Mehrheit.

Späth dachte nie nur politisch oder administrativ, sondern immer auch ökonomisch. Die erfolgs- und visionsorientierte Arbeit lag ihm wohl näher. Bereits in seiner Zeit als Bürgermeister und Abgeordneter war er bereits in wichtigen Vorstandsämtern tätig.  Der Rücktritt vom 13. Januar 1991 ist heute Geschichte. Bemerkenswert – und für sein Format als Mann der Wirtschaft signifikant ist es, dass Späth wenige Wochen nach dem Rücktritt Geschäftsführer der Jenoptik GmbH in Jena (Rechtsnachfolger von Carl Zeiss) wurde und  dieses Unternehmen sogar an die Börse führte. Im wieder vereinigten Deutschland eine Erfolgsgeschichte fast ohnegleichen. Weitere maßgebliche Funktionen unter anderem als Aufsichtsratsvorsitzender in namhaften Unternehmen, die Späth teils bis zum 75. Lebensjahr innehatte, schlossen sich an. Es war eine hervorragende Wahl, dass Kanzlerkandidat Edmund Stoiber 2002 Späth für das Wirtschaftsministerium vorgesehen hatte. Es kam anders.

Unzählig die gemeinwohlorientierten Engagements. Lothar Späth stiftete unter anderem einen eigenen Preis, der sich um die Unterstützung von behinderten Künstlern kümmert. Unternehmerische Innovation und kulturelle und geschichtliche Tradition gingen für Lothar Späth zeitlebens eng zusammen. So war er 2008 bis 2012 Vorsitzender des Kuratoriums der Denkmalstiftung in Baden-Württemberg.  Auch als Talkmoderator machte er sich einen Namen: „Späth am Abend“.

Als er aus dem Amt des Ministerpräsidenten ausschieb, sagte er, unfeierlich und bestimmt, man solle ihm nicht nachweinen. Beim großen Abschied ist es anders. Doch es bleibt vor allem die Dankbarkeit, auch seitens unseres Studienzentrums, dass ein Mann mit dieser Autorität und diesem Format in seinen Reihen war.

Wir werden Ministpräsident a.D. Lothar Späth stets ein ehrendes Andenken erweisen.  

Prof. Dr. Harald Seubert, Präsident des SZW

Das STUDIENZENTRUM WEIKERSHEIM trauert um sein langjähriges Mitglied im Präsidium

 

Professor Dr.hc. Manfred Rommel

 


Mit ihm verlieren wir einen hochgeschätzten Ratgeber, der uns bis zu seinem Tode verbunden war. Seine im alteuropäischen Ethos verwurzelnde liberale und weitherzig-gelassene Haltung wird uns immer ein Vorbild bleiben. Wir werden seine Stimme vermissen.

 

November 2013